IGF 2022: Workshop zu globaler Governance von KI für nachhaltige Entwicklung

Allgemein

Am 1. Dezember organisierten die Internationalen Digitaldialoge einen hybriden Workshop auf dem UN Internet Governance Forum (IGF) 2022 mit dem Titel „Global AI Governance for Sustainable Development“. Die eingeladenen Expert*innen waren sich einig, dass inklusive Multi-Stakeholder-Ansätze für die Entwicklung von Rahmenbedingungen und Regeln für Künstliche Intelligenz (KI) unerlässlich sind, und die aktive Förderung nachhaltiger Entwicklung im Mittelpunkt stehen sollte.

Der Workshop fand im Rahmen des Internet Governance Forums in Addis Abeba statt. © Digital Dialogues-GIZ

Der Workshop wurde gemeinsam vom deutschen Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) und dem brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie und Innovation (Ministério da Ciência, Tecnologia e Inovações – MCTI) veranstaltet. Beide Ministerien sind Partner im Deutsch-Brasilianischen Digitaldialog. Sie luden hochrangige Expert*innen aus Kenia, Indien, Mexiko, Deutschland und Brasilien ein, um darüber zu diskutieren, wie globale KI-Governance nachhaltige Entwicklung fördern kann.

Rund 100 Personen nahmen sowohl online als auch vor Ort in Addis Abeba, Äthiopien, an dem Workshop teil.

Berührungspunkte von KI und nachhaltiger Entwicklung

Die Expert*innen begannen den Workshop mit ihren Eröffnungsstatements und hoben dabei Aspekte hervor, die sie für besonders wichtig halten. Diese unterschiedlichen Statements spiegelten bereits die Komplexität des Zusammenhangs von KI und nachhaltiger Entwicklung wider.

Urvashi Aneja (Gründerin und Leiterin des Digital Futures Lab, Indien) betonte, dass der gesamte Lebenszyklus von KI berücksichtigt werden sollte, wenn über KI-Governance für nachhaltige Entwicklung gesprochen wird. Sie argumentierte, dass die Arbeitsbedingungen bei der Entwicklung von KI und der Energieverbrauch von KI entscheidende Aspekte sind, die in Governance-Rahmenwerken nicht außer Acht gelassen werden sollten.

Ledénika Mackensie Méndez González (Exekutivdirektorin für Digitale Inklusion im Sekretariat für Kommunikation und Verkehr von Mexiko-Stadt) hob das Potenzial von KI für Innovationen im öffentlichen Sektor hervor. Gleichzeitig forderte sie die Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass KI-Anwendungen ethisch vertretbar sind und die Menschenrechte respektieren.

Kim Dressendörfer (Technical Solution Leader Data & AI bei IBM, Deutschland) äußerte sich optimistischer, dass KI eine Chance sei, etwas Neues und Besseres zu schaffen. Ihrer Meinung nach ist die Governance von KI vielschichtig und sollte die Entwickler*innen einbeziehen, die die ethischen Implikationen ihrer Produkte berücksichtigen müssen.

José Gontijo (Secretary for Innovation and Entrepreneurship des Ministeriums für Wissenschaft, Technologie und Innovation (MCTI), Brasilien) stellte heraus, dass die Regierung, der Privatsektor, die Wissenschaft und die Zivilgesellschaft gemeinsam und transparent über die Anwendbarkeit von KI diskutieren sollten. Er wies auf das große Potenzial von KI hin, z. B. in der Agrarwirtschaft, bei der Katastrophenvorhersage oder der öffentlichen Sicherheit – sieht aber auch die Notwendigkeit, die Kluft zwischen dem Globalen Süden und dem Globalen Norden bei der Entwicklung und Nutzung von KI zu verringern.

Elemente einer sinnvollen Regulierung von KI

Anschließend diskutierten die Expert*innen über die wichtigsten Elemente einer KI-Governance, die nachhaltige Entwicklung fördert. Laut Méndez González sollte KI-Regulierung den Menschen in den Mittelpunkt stellen und intersektional sein. Sie betonte, dass die Einbeziehung marginalisierter Gruppen in die ethische Debatte über KI der Schlüssel zum Abbau von Ungleichheiten ist. Gontijo hob die Bedeutung von Multi-Stakeholder-Ansätzen hervor, um resiliente Governance-Strukturen zu schaffen.

Dressendörfer ist überzeugt, dass jedes Unternehmen die Pflicht hat, zu einer KI-Governance beizutragen, die nachhaltige Entwicklung fördert. Sie plädiert dafür, Algorithmen hinter KI-Anwendungen transparent zu machen. Dies ermögliche sinnvolle Ethik-Diskussionen. Laut Aneja verfügt der private Sektor im Vergleich zum öffentlichen Sektor über ein größeres Wissen über KI. Dies könnte zu einem großen Einfluss von Technologieunternehmen auf staatliche Regulierung führen.

Das Publikum nahm an einer Live-Umfrage teil. © Digital Dialogues-GIZ

Wahrnehmung der Rolle von KI für nachhaltige Entwicklung

Das Publikum beteiligte sich an dem Austausch durch eine Umfrage. Alle Teilnehmenden wurden gefragt, was sie mit dem Begriff "KI-Governance" verbinden, in welchen Bereichen sie das größte Potenzial für einen Beitrag von KI zur nachhaltigen Entwicklung sehen, ob sie eher positive oder eher negative Auswirkungen von KI auf nachhaltige Entwicklung erwarten und welche Risiken sie mit KI verbinden.

Obwohl die meisten Teilnehmenden eher positive Auswirkungen von KI auf nachhaltige Entwicklung erwarten, verbinden sie auch negative Aspekte wie Cybersicherheitsbedrohungen, Überwachung und das Risiko der Arbeitslosigkeit mit KI. Die meisten sehen nichtsdestotrotz ein großes Potenzial von KI, die globale Produktivität und das Wirtschaftswachstum zu steigern.

Dressendörfer trat der Befürchtung entgegen, dass KI den Menschen auf dem Arbeitsmarkt ersetzen wird. Ihrer Meinung nach wird KI den Menschen eher dabei unterstützen, sich auf komplexe Aufgaben zu konzentrieren, indem sie repetitive Aufgaben übernimmt. Aneja fand es interessant, dass das Publikum KI mit Wirtschaftswachstum assoziiert, obwohl viele Menschen noch nicht einmal Zugang zum Internet haben – zwischen dem theoretischen Potenzial von KI und der Realität klaffe noch eine große Lücke. Davis Adieno (Director of Programs bei Global Partnership for Sustainable Development Data, Kenia) stimmte zu, dass KI von der Lebensrealität vieler Menschen abgekoppelt scheint. Er erklärte, dass KI nur dann ein Wegbereiter für nachhaltige Entwicklung sein kann, wenn sie eine Lösung für die Bedürfnisse des täglichen Lebens aller Menschen darstellt.

Schlussfolgerungen

In der Diskussion unterstrichen die Expert*innen vor allem die Bedeutung eines inklusiven und transparenten Multi-Stakeholder-Ansatzes bei der Definition globaler Rahmenbedingungen für KI. Dies macht KI-Regulierungen widerstandsfähig gegenüber sich wandelnden politischen Interessen und ist zentral für den Aufbau von Vertrauen in KI-Anwendungen.

KI-Governance sollte die unterschiedlichen Realitäten des Globalen Südens und des Globalen Nordens berücksichtigen. Die Stimme des Globalen Südens muss gehört werden, um die globalen digitalen Ungleichheiten zu verringern. Darüber hinaus müssen Datensätze, die zum Training von KI-Anwendungen verwendet werden, auch Daten aus Schwellen- und Entwicklungsländern enthalten, wenn sie Lösungen für globale Probleme bieten sollen.

Es besteht ein Bedarf an KI-Governance-Strukturen, die nachhaltige Entwicklung aktiv fördern und verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit berücksichtigen. Die Arbeitsbedingungen für die Produktion von KI sowie ihr CO2-Fußabdruck und ihre Umweltauswirkungen sollten bei ganzheitlichen Ansätzen nicht außer Acht gelassen werden.

Die Ergebnisse des Workshops werden in die Internationalen Digitaldialoge zwischen Deutschland und Partnerländern wie Brasilien, Mexiko und Indien einfließen.

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