IT-Fachkräfte aus Kenia und die Nachfrage in Europa: Aufbau neuer Partnerschaften für digitale Dienstleistungen

Kenia

Während europäische Unternehmen über die Auswirkungen von KI auf den Fachkräftemangel diskutieren, brachte eine Delegation kenianischer IT-Unternehmen ein klares Angebot mit: Die qualifizierten Fachkräfte und Dienstleistungen, nach denen viele europäische Unternehmen suchen, gibt es bereits – in Nairobi. Diese Fachkräfte können nicht nur Einstiegspositionen besetzen, sondern verfügen über immer bessere Qualifikationen und passen sich den sich wandelnden Arbeitsumgebungen im Zeitalter der KI an.

Die Delegation traf sich mit Expertinnen und Experten sowie Führungskräften aus der Wirtschaft. © Steve Mambo, Yelbridges

Vom 24. Juni bis zum 1. Juli reiste die Delegation durch Berlin, Prag und München, bevor sie ihre Reise auf der GITEX AI Europe abschloss, um ihr Angebot mit der Nachfrage und der Realität europäischer und deutscher Unternehmen abzugleichen.

Bei den Treffen der Delegation mit Wirtschaftsverbänden – darunter Bitkom und BVMW, die die Digitalwirtschaft Deutschlands und den deutschen Mittelstand vertreten – zeigte sich eine Mischung aus hoher Nachfrage und einigen Vorbehalten.

Einerseits wurden immer wieder konkrete rechtliche Hindernisse bei der Einstellung von Freiberuflern und ausländischen Fachkräften angesprochen. Regulatorische Details können darüber entscheiden, ob eine Zusammenarbeit in der Praxis funktioniert. Andererseits ist der Bedarf an digitalen Dienstleistungen real: Unternehmen suchen nach Wegen, wettbewerbsfähig zu bleiben und Zugang zu Fachkompetenzen zu erhalten.

Hohe Nachfrage nach hochqualifizierten Fachkräften

Die Gespräche mit deutschen Unternehmen zeigten zudem, dass der Fachkräftemangel nicht auf der Einstiegsebene besteht. IT-Aufgaben auf Einstiegsebene werden zunehmend von KI-Tools übernommen, sodass wiederholt der Bedarf an flexiblen und hochqualifizierten Fachkräften geäußert wurde.

In München besuchte die Delegation MaibornWolff, einen deutschen IT-Dienstleister mit Teams im Ausland, unter anderem in Ruanda. Der Besuch bot ein anschauliches Beispiel dafür, wie ein europäisches Unternehmen Teams in ganz Europa und Afrika aufgebaut hat.

Neben den Treffen organisierte MeliaCRED drei Abendessen in Prag, Berlin und München. Diese brachten die Delegation in einer ungezwungenen Atmosphäre mit Branchenexperten und Führungskräften aus der Wirtschaft zusammen, um den Aufbau von Beziehungen zu ermöglichen.

Die Podiumsdiskussion zu Digitaler Souveränität. © International Digital Dialogues-GIZ

Präsentation des Business Case auf der GITEX AI Europe

Der Besuch fand seinen Abschluss auf der GITEX AI Europe, der zweiten Ausgabe einer der größten KI-, Tech- und Start-up-Veranstaltungen Europas. Die kenianische Delegation teilte sich einen Stand mit Delegationen aus mehreren westlichen Balkanstaaten, Ghana und Ägypten. Der Stand wurde gemeinsam von Partners in Transformation, Invest for Jobs und den International Digital Dialogues gestaltet. Er diente als gemeinsame Präsenz aufstrebender Technologiemärkte.

Auf der Tech-Talk-Bühne präsentierte die Delegation ihre wirtschaftlichen Argumente: Sie quantifizierte Zeit- und Kosteneinsparungen sowie Wettbewerbsvorteile durch die Auslagerung von Dienstleistungen in Bereichen wie Cybersicherheit.

Podiumsdiskussion zur digitalen Souveränität: Internationale Partnerschaften sind entscheidend

Im Rahmen der Veranstaltung fand zudem eine Podiumsdiskussion statt, an der Direktor Kiria vom kenianischen Ministerium für Information, Kommunikation und der Digitalwirtschaft gemeinsam mit dem parlamentarischen Staatssekretär Jarzombek vom Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) sowie Anna Sophie Herken, Vorständin der GIZ, teilnahm.

In der Diskussion ging es um die digitale Souveränität zwischen Europa und Afrika, wobei Kiria argumentierte, dass Länder wie Kenia in digitalen Lieferketten keine Randrolle spielen, sondern für diese unverzichtbar sind. Er betonte, dass afrikanische Länder Partner bei den digitalen Ambitionen Europas seien. Dies bildete einen passenden Rahmen für die Gespräche zum Thema Outsourcing: Bei der digitalen Souveränität geht es nicht nur darum, die Abhängigkeit von außen zu verringern, sondern auch darum, internationale Partnerschaften aufzubauen.

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