Panel zu Verwaltungsdigitalisierung auf der Brasilianischen Innovationswoche 2023
Brasilien
Seit 2018 arbeitet die brasilianische Regierung an der Ausweitung ihrer digitalen Dienstleistungen. Im Jahr 2020 veröffentlichte das Sekretariat für digitale Verwaltung (SGD) die erste Strategie für digitale Verwaltung (EGD), um die öffentlichen Dienstleistungen des Bundes zu digitalisieren. Das SGD konzentrierte sich dann auf die Digitalisierung öffentlicher Dienstleistungen in der subnationalen Verwaltung.
Derzeit entwickelt das SGD die Nationale Strategie für die digitale Verwaltung (ENGD). Die Strategie soll lokale Entscheidungsträgerinnen und -träger anleiten, digitale Technologien für die Schaffung einer integrativen und bürgernahen Verwaltung zu nutzen. Um die Bemühungen der SGD zu unterstützen, führte das Sekretariat des Deutsch-Brasilianischen Digitaldialogs eine Studie durch: Diese hat Best Practices aus Ländern verglichen, welche ihre Kommunalverwaltungen erfolgreich digitalisiert haben.
Auf der brasilianischen Innovationswoche organisierte das Sekretariat eine Veranstaltung, um die Ergebnisse der Studie vorzustellen und sich mit brasilianischen Stakeholdern aus Zivilgesellschaft und Wissenschaft auszutauschen. Die brasilianische Innovationswoche ist die größte Veranstaltung zum Thema Innovation im öffentlichen Sektor in Lateinamerika.
Internationale Best Practices in der digitalen Verwaltung
Nilson Borges, Experte für digitale Verwaltung bei der Beratungsfirma Ekeep, erklärte, dass er und sein Team Akteure des öffentlichen Sektors in Dänemark, Estland, Spanien und Südkorea befragt haben. Die Interviews ermöglichten es ihnen, die Faktoren für die erfolgreiche Digitalisierung von Kommunalverwaltungen zu verstehen.
Die Ergebnisse zeigten die Notwendigkeit eines effektiven Dialogs mit allen an der digitalen Verwaltung beteiligten Akteuren, d. h. mit den Bürgerinnen und Bürgern, der Regierung und dem Privatsektor. Borges wies auch auf die entscheidende Rolle von Kompetenzen und Aus- sowie Fortbildung im öffentlichen Sektor hin.
Erkenntnisse aus der Podiumsdiskussion
Nach der Präsentation der Studienergebnisse tauschten die Diskussionsteilnehmerinnen und -teilnehmer ihre Ansichten zum Thema aus. Larissa Pedroso, stellvertretende Leiterin des Innovationslabors der Staatsanwaltschaft des Bundesstaates Rio de Janeiro (Inova MPRJ), betonte, wie wichtig es sei, die Kommunen zu unterstützen und dabei ihre unterschiedlichen Gegebenheiten zu berücksichtigen. Sie warnte auch vor der Gefahr, dass die Digitalisierung andere Herausforderungen überschattet, die für lokale Entscheidungsträger dringlicher sein könnten.
Laut Manuel Bonduki, Dozent für öffentliche Politik an der Universität Insper, sollte die Strategie (ENGD) der Vielfalt Brasiliens Rechnung tragen und den unterschiedlichen Digitalisierungsgrad der Bundesstaaten berücksichtigen. Er schlug vor, eine Reihe von Grundregeln für subnationale Regierungen aufzustellen, wie etwa den Beitritt zur GOV.br-Plattform.
Laut Daniel Annenberg, Berater bei der Nichtregierungsorganisation Instituto I und ehemaliges Mitglied des Stadtrats von Sao Paulo, sollten die Kommunen mit den Bürgerinnen und Bürgern zusammenarbeiten, um effizientere Lösungen zu schaffen. Er bekräftigte, dass die Bürgerinnen und Bürger stets im Mittelpunkt digitaler Verwaltungslösungen stehen sollten, die ein immenses Potenzial zur Verringerung von Ungleichheiten und zur Lösung struktureller Probleme bieten.
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